„Diversität kommt bei Bloggern oft etwas zu kurz“

Im Gespräch mit Lifestyle-Bloggerin Wakila Ajagbe von „Hello Black“

Hello Black - Wakila Seit 2014 bloggt Wakila Ajagbe auf "Hello Black". Neben Fashion- und Lifestyle-Trends widmet sich die 22-Jährige auch ernsteren Themen wie Rassismus. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

Wakila Ajagbe, 22, studiert Amerikanistik und Politikwissenschaften an der Goethe-Universität. Seit Anfang letzten Jahres führt sie einen Lifestyle Blog namens „Hello Black“. Wakila schreibt nicht nur über Mode, Literatur und Musik, sondern nutzt ihren Blog auch, um über persönliche und sensible Themen zu berichten. Im Mai dieses Jahres hat sie die Reihe „Diversity Month“ ins Leben gerufen. Sie diskutierte mit anderen Bloggern über Rassismus und Diversität in Deutschland und der Welt, postete Beiträge über Mode und Literatur und schrieb über ihre persönlichen Erfahrungen mit Alltagsrassismus.

  • Was hat genau hat dich dazu bewegt, das Thema Diversität und Rassismus als Lifestyle-Bloggerin anzusprechen?

Im Bereich Lifestyle und Fashion kommt das Thema Diversität und „anders sein“ oft etwas zu kurz bei Bloggern. Es ist so ein wichtiges Thema, das aber leider oft vernachlässigt wird. Daher dachte ich, dass ich meine Reichweite nutzen kann, um meinen Lesern mehr über das Thema zu vermitteln.

  • Food - Nigerianisch

    Während des “Diversity Month” stellt Wakila auf ihrem Blog auch leckere nigerianische Gerichte zum Nachkochen vor. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

    Ist Rassismus eigentlich auch ein Thema unter euch Lifestyle-Bloggern?

Ich denke, dass es überall Rassismus gibt, in den verschiedensten Formen. Aber glücklicherweise habe ich bei Bloggern noch keine direkten Zwischenfälle mitbekommen.

  • Was genau hat dich dazu inspiriert, „Diversity Month“ ins Leben zu rufen?

In einer Zeit, in der unbewaffnete schwarze Männer auf der Straße erschossen werden, und Muslime als Terroristen abgestempelt werden, habe ich mir gedacht, dass ich meinen Blog nutzen kann, um mitten aus dem Leben zu berichten und zu zeigen, wie andere und auch ich selbst Rassismus, aber auch positive Diversität erfahren.

  • Was war dir bei dieser Blogreihe besonders wichtig?

Mir war es besonders wichtig, dass authentische Geschichten erzählt werden. Die Gastautoren haben Erfahrungen geschildert und über Dinge gesprochen, die ihnen wichtig sind. Solche Geschichten bekommt man sonst vielleicht nicht zu hören, vor allem nicht in der Lifestyle- und Fashion-Blogger-Welt.

Diversity Monthwar sehr aufschlussreich für mich.

„Solche Geschichten bekommt man sonst nicht zu hören, vor allem nicht in der Lifestyle- und Fashion-Blogger-Welt", sagt Wakila selbst über ihre Blog-Reihe „Diversity Month“. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

„Solche Geschichten bekommt man sonst nicht zu hören, vor allem nicht in der Lifestyle- und Fashion-Blogger-Welt”, sagt Wakila selbst über ihre Blog-Reihe „Diversity Month“. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

  • Welche Reaktionen gab es auf den „Diversity Month“?

Die Reaktionen waren durchweg positiv, was mich persönlich überrascht hat. Alle Kommentare und E-Mails, die ich erhalten haben, waren Lob dafür, dass ich „Diversity Month“ ins Leben gerufen habe und somit auf einem Lifestyle Blog auch ernstere Themen anspreche.

  • Die Blogreihe ist im Juni zu Ende gegangen. Welches Resümee ziehst du?

Für mich war „Diversity Month“ sehr aufschlussreich. Ich habe gemerkt, dass sich doch mehr Blog-Leser für ernstere Themen interessieren. Außerdem ist mir noch einmal bewusst geworden, dass ich zukünftig in meinem Beruf als Journalistin etwas Ähnliches machen möchte: Themen wie Entertainment und Fashion und mit wichtigen Aspekten wie Vielfalt und Diversität zu verbinden.

  • Wakila gibt auf ihrem Blog auch Büchertipps zum Thema Diversität. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

    Wakila gibt auf ihrem Blog auch Büchertipps zum Thema Diversität. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

    Warum liegt dir das Thema Rassismus bzw. Alltagsrassismus so am Herzen?

Das Thema liegt mir am Herzen, weil ich es wichtig finde, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollen, egal, wo ihre Wurzeln liegen. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass andere sich nicht ausgegrenzt fühlen, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben, ein Kopftuch tragen, oder eine andere Sprache sprechen.

  • Hast Du selber schon Rassismus hier in Deutschland erfahren?

Ja, leider habe ich auch selbst schon Rassismus erfahren. Aber zum Glück nie etwas Ernstes. Ich denke, dass viele Menschen sich nicht darüber bewusst sind, dass das, was sie sagen, rassistisch ist. Ich versuche sie immer höflich darauf hinzuweisen. Wenn ich jedoch merke, dass es absichtlicher Rassismus war, fällt es mir nicht immer leicht, ruhig zu bleiben. Meistens gehe ich der Person dann einfach aus dem Weg.

Ich denke nicht, dass Rassismus ein deutsches Problem ist.

„Ja, leider habe ich auch selbst schon Rassismus erfahren", erzählt Lifestyle-Bloggerin Wakila im Interview. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

„Ja, leider habe ich auch selbst schon Rassismus erfahren”, erzählt Lifestyle-Bloggerin Wakila im Interview. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

  • Wie schätzt du eigentlich Deutschland als Land ein? Findest du, dass es ein tolerantes und weltoffenes Land ist?

Definitiv. In Deutschland, gerade hier in Frankfurt, treffen so viele verschiedene Nationen aufeinander und man hört immer seltener von Gewaltübergriffen durch Fremdenhass. Aber es ist auch wichtig zu sagen, dass viele Leute, auch junge Leute, feste Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund haben, die nur schwer zu beseitigen sind. Ich denke aber nicht, dass das ein deutsches Problem ist, sondern ein internationales.

  • In welchen Bereichen könnte es noch Verbesserungen geben?

Ich denke, dass man immer noch offener sein kann. Es gibt viele Menschen, auch in meinem persönlichen Umfeld, die behaupten es gäbe keinen Rassismus und gewisse Leute begeben sich absichtlich in die Opferrolle. Ich hoffe, dass es in diesem Bereich bald eine Verbesserung gibt und allen Menschen klar wird, dass es immer noch viele Ungerechtigkeiten auf Grund der Herkunft gibt, und dass es an uns liegt, diese zu beseitigen. Außerdem finde ich, dass es immer noch viel institutionellen Rassismus gibt. Auch dort gibt es großen Verbesserungsbedarf.

„Racial Profiling“ ist gerade in den USA ein großes Problem.

  • Was hältst du von der aktuellen und angespannten Lage in Nordamerika? In letzter Zeit wurden viele Afroamerikaner Opfer von brutaler Polizeigewalt und erst letztens hat ein 21-jähriger Mann ein Attentat auf eine Kirche, die hauptsächlich von Afroamerikanern besucht war, verübt und dabei neun Menschen getötet.
Hello Black

„Etwas, das jeder tun kann um den Rassismus einzudämmen, ist für andere einzustehen”, sagt Wakila. Darum will sie auch weiterhin unter der Rubrik „Diversity“ bloggen. (Foto: Wakila Ajagbe, Hello Black)

Ich hoffe, dass sich die politische Lage der USA ändern wird, denn sonst wird sich meiner Meinung nach auch in der Gesellschaft nichts ändern. Nicht nur Polizisten, sondern die ganze Nation sollte besser geschult werden und von klein auf so aufwachsen, dass keine Vorurteile beigebracht werden. Aber auch die Minderheiten sollten sich Mühe geben, auf die weiße Bevölkerung zuzugehen und sich nicht abzuschotten und nur untereinander zu bleiben. „Racial Profiling“ ist gerade in den USA ein großes Problem, das nicht verschwinden wird, solange sich die Einstellung der Menschen nicht grundlegend ändert.

  • Was könnte man deiner Meinung nach tun, um Rassismus im alltäglichen Leben zu bekämpfen oder ihm entgegenzutreten?

Etwas, das jeder tun kann um den Rassismus einzudämmen, ist für andere einzustehen. Sich einmischen, wenn man sieht, dass jemand offensichtlich wegen seiner oder ihrer Herkunft benachteiligt wird. Widerspruch einlegen, wenn man selbst benachteiligt wird, und vor allem weltoffener werden und selbst versuchen, Vorurteile und Stereotypen aus dem Kopf zu schaffen.

  • Könntest Du dir vorstellen, einen weiteren „Diversity Month“ ins Leben zu rufen?

Auf jeden Fall. Ich habe die Kategorie „Diversity“ nun als festen Bestandteil auf meinem Blog eingebaut und werde immer mal wieder etwas dazu schreiben. Es ist aber auch geplant, dem Thema noch einmal einen ganzen Monat zu widmen.

Dieses Interview wurde geführt von Kimi Khaleque.


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Founded in 2005, the A Journal is a bilingual student magazine at the Institute of English and American Studies (IEAS) at Goethe University Frankfurt.

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